Der Wecker reißt mich um halb zwei Uhr aus dem unruhigen Schlaf. Am Vorabend waren Ingrid und ich noch im Tanzclub und übten eine sehr schwierige Figurenfolge im Langsamen Walzer. Jetzt nach vier Stunden dahindösen muss ich aufstehen. Der Laufrucksack wurde schon am Vortag gepackt und es geht mit dem Auto zum Stift Schlägl. Dort angekommen erwartet mich schon eine große Sportlerschar, die alle dem Start um vier Uhr entgegenfiebern.
Wir starten bei kühlen 8 Grad und laufen der Großen Mühl entlang. Hier ist es gefühlt deutlich kälter und ich bin froh um die Laufjacke. Nach 7 Kilometern ist Ulrichsberg erreicht, wo uns bei der Firma Neuburger ein gutes Frühstück erwartet. Mit Begeisterung esse ich ein Neuburger Leberkäse Weckerl. Ab jetzt geht es steil bergan, denn bis nach Schöneben sind 350 Höhenmeter zu überwinden. Beim Hotel Inn´s Holz werden wir mit einem sehr reichhaltigen Angebot an sauren und süßen Speisen belohnt. Die Mohnmehlspeise mundet sehr!
Wir queren das Schigebiet Hochficht um die nächste Labe beim Gasthaus „Zum Überleben“ zu erreichen. Hier zeigt sich zum ersten Mal das Schlafdefizit und die Anstrengungen vom Tanzen. Der Körper wehrt sich mit Müdigkeit und Magenproblemen. Es nutzt nichts – ich muss durch. Bald geht es 300 Höhenmeter bergab, die ich mir leichter vorgestellt habe. Sehr alpin mit vielen Steinen und Wurzeln schlängelt sich der Trail bergab. Beim sehr steilen Anstieg zum Plöckenstein, dem höchsten Punkt mit 1378 Metern ist neben dem Weg die aufkommende Hitze eine Herausforderung. Diese Etappe mit 15 Kilometern und 900 Höhenmetern hat es in sich! Jetzt kommt der schwierigste Teil. Sehr vorsichtig bewege ich mich bergab über große Steinblöcke und steiles schwieriges Terrain.
Schön langsam realisiere ich, dass die geplante Zeit von 12 Stunden für mich nicht machbar ist. Der alpine Trail ist sehr fordernd und Laufen oft nicht möglich. In Summe werden es etwa 20 langsame Laufkilometer und über 50 Gehkilometer werden. Mit der brütenden Sonne im Rücken geht es sehr steil auf den Reischlberg zur nächsten Labe. 35 Kilometer und somit die Hälfte es Weges sind geschafft! Über den Hochficht kommen wir zurück nach Schöneben. Jetzt bilden sich kleine Gruppen und gemeinsam ist es deutlich schöner die wundervolle Landschaft zu genießen.
Meine Vorstellung, jetzt mehr zu Laufen, erfüllt sich leider nicht. Die Füße sind von 1500 Höhenmetern über Stock und Stein ausgelaugt. Nach dem letzten Gipfel, dem Bärenstein mit ausgezeichnetem Blick auf den Moldau-Stausee geht es bergab nach Grünwald zur nächsten Labe beim Panyhaus. 50 Kilometer sind geschafft! Noch etwa vier Stunden ins Ziel! Es sollte ein Leichtes werden, doch wie immer kommt etwas dazwischen. Durch den steinigen Untergrund hatten sich zwei schmerzhafte Blasen gebildet. Durchbeißen ist die Devise.
Eher flach geht es in die Bayrische Au. Dort ragt der Moldau-Stausee ein kleines Stück auf österreichisches Gebiet und hat eine wunderbare Aulandschaft gestaltet. Ein schönes Fotomotiv! Noch eine starke Steigung trennt mich von der letzten Labe in Oberhaag. Eine Limonade und ein Vollkornweckerl bringen Abwechslung in den Speiseplan. Noch gut 7 Kilometer bergab, auf nach wie vor steinigem Weg und in der Sonne bei 26 Grad führen zurück zum Stift Schlägl.
Es war wirklich hat! 72 Kilometer und 2100 Höhenmeter in 13 Stunden 40 Minuten. Ich bin froh und glücklich – wenn auch mit Schwierigkeiten – angekommen zu sein!
















